Oliver Mörchel

Märchennachdichtungen

Oliver Mörchel wurde am 16.01.1992 im thüringischen Greiz geboren. Doch dort konnte er nicht ewig bleiben. Also zog er aus, um zu studieren: Philosophie, dachte er, in Jena. Hier lernte er, die ewigen Fragen zu stellen, doch zugleich lernte er, dass es nicht reichte, ewig dieselben Fragen zu stellen. So zog er, auf der Suche nach Antworten, weiter, nach Rom, in die ewige Stadt, auf deren Plätzen er nach Eindrücken lechzte wie ein etruskischer Knabe nach Wolfsmilch. Und er sollte sie bekommen! Denn wer hungrig ist, wie Oliver Mörchel es war in jenem sagenhaften Jahr 2015 – als alles begann –, dem wird jede poplige Piazza ein Kapitolsplatz und jedes Stückchen Pizza ein Ereignis, das (schwups!) die Notizbücher füllt und die ersten Kapitel einer wunderbaren Geschichte, die noch längst nicht zu Ende erzählt ist. Schließlich sind wir ja gerade mal im „Weimarer Abschnitt“ angelangt, der vor allem von regelmäßigen Wohnzimmerlesungen und einer Deutschland-Lesetour im Sommer 2018 handelt. All das beruht auf wahren Begebenheiten! Und ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, lässt sich sagen: Es bleibt spannend!

Es war einmal ein Märchenbuch, daraus lasen jeden Abend Eltern vor, bis sie darüber einfach einschliefen. Unerträglich war das – für Kinder vor allem. So konnte es nicht weitergehen! Irgendetwas musste passieren!

Und tatsächlich passierte etwas: 2016 nahm die Deutsche UNESCO-Kommission das Märchenerzählen in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf. Auf ihrer Homepage hieß es dazu: „Märchen sind als kollektiver, identitätsstiftender Erfahrungsschatz gespeichert, der durch das Erzählen immer wieder neu aktualisiert wird.“ – Als der junge Dichter Oliver Mörchel das las, wurde ihm – der zwar keine Kinder, aber große Lust hatte, was Hübsches in die Welt zu setzen – schlagartig klar, was zu tun war: Menschenskinder! Erzähl den Leuten doch ein paar Märchen! – Denn weiter hieß es: „Durch das Erzählen traditioneller und in der Kultur fest verankerter Erzählstoffe werden Denkanstöße gegeben und Sinn vermittelt, aber ebenso wird Sprache gefördert und Phantasie angeregt.“ – Alles sehr, sehr ehrenwert, dachte Oliver Mörchel, der nun also daran ging, ein ganz neues Kapitel im Genre Märchenbuch aufzuschlagen.

Er kramte die altbekannten, teils abgetragenen Geschichten aus dem Schrank, die zwar etwas angestaubt waren, doch im Prinzip nur mit zeitgemäßen Stoffen durchzogen und stilistisch aufbügelt werden mussten. Und da er eine pfiffige Frau in der Reinigung (So weiß wie Schnee) kannte, die er scherzhaft seine „Muse“ nannte, war die Sache schnell erledigt.

Und wenn er ihr nicht alte Klamotten mit eingetrockneten Pflaumenmusflecken vorbeibrachte, dann trägt er sie noch heute…

 


Wann und wo?

Lesung mit Oliver Mörchel

12:00 Uhr

Kino 1, Lichthauskino